Wodurch werden und bleiben Menschen gesund?

Antonovsky hat Überlebende des Holocaust interviewt, was ihnen geholfen hatte, die schreckliche KZ-Haft körperlich und seelisch gesund zu überstehen. 29 % (!) der Überlebenden in seiner Stichprobe waren als "gesund" eingeschätzt worden. Als wichtigsten Faktor für ihre Gesundheit fand er das "Kohärenzgefühl". Es hat drei Komponenten: die Verstehbarkeit (ich verstehe, was passiert), das Gefühl der Bedeutsamkeit (ich bin wichtig) und die Handhabbarkeit (ich kann etwas tun). Kohärenz bedeutet ein Gefühl von Stimmigkeit und Verbundenheit, ein Grundvertrauen in das Leben und die Sicherheit, innerlich intakt und im Gleichgewicht zu sein.

 

Aus eigener Erfahrung wissen Sie, dass es Ihnen gut geht, wenn Ihre inneren Bedürfnisse z. B. nach Sicherheit, Freude und Wohlbefinden befriedigt sind. Dazu muss kommen, dass Sie "die Welt" verstehen und in Übereinstimmung mit Ihren Ansichten leben und handeln können. Stimmige Verbundenheit bedeutet gleichzeitig auch, in äußeren Anbindungen (Beziehungen, Gruppen) Unterstützung und Halt zu finden, z. B. bei Ihren Angehörigen, Ihrem Partner oder Freunden.  

Das Kohärenzgefühl ist wesentlich für eine gesunde Entwicklung und Gesundung.

 

Ein wesentliches Ziel der salutogenetisch orientierten Beratung ist es, das Kohärenzgefühl zu stärken. Menschen sollen die Sicherheit (wieder)gewinnen, aus eigener Kraft und in Verbundenheit mit anderen Menschen ihre Probleme bewältigen und das Leben meistern zu können.

 

Im Salutogenese-Modell gibt es keine klare Trennung (Dichotomie) von Gesundheit und Krankheit, sondern ein Kontinuum zwischen den Polen Gesundheit und Krankheit. Wir sind Menschen, die im Fluß des Lebens schwimmen müssen. Mal ist die Strömung ruhig, mal gibt es Turbulenzen.

 

 „Wir sind alle sterblich. Ebenso sind wir alle, solange noch ein Hauch von Leben in uns ist, in einem gewissen Ausmaß gesund.“ (Aaron Antonovsky)

 

Fachliteratur   

  • A.  Antonovsky: Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit. Tübingen: dgvt-Verlag, 1997.
  • E. Schiffer: Wie Gesundheit entsteht. Salutogenese: Schatzsuche statt Fehlerfahndung. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, 2001.
  • Th. D. Petzold: Praxisbuch Salutogenese - Warum Gesundheit ansteckend ist. München: Südwest Verlag, 2010.

Stimmige Verbundenheit trägt zur Gesundheit bei.